Dackelblick: Bedeutung, Wirkung und was Studien dazu sagen

Der Dackelblick ist der treuherzige, bittende Blick eines Hundes. Er hebt dabei die inneren Augenbrauen und die Augen wirken größer und weicher. Dazu muss er kein Dackel sein: Der Muskel für diesen Ausdruck gehört bei Hunden zur Grundausstattung.1

Ist das ein Trick, ein Gefühl oder reine Anatomie? Hier findest du die wichtigsten Studien dazu, einen Mythen-Check und Tipps für den Alltag. Die Quellen stehen am Ende des Artikels.

Auf einen Blick
  • BedeutungTreuherziger Blickbittend und unschuldig, oft leicht spöttisch gemeint6
  • TechnikInnere Augenbraueein Muskel hebt sie an, Fachbegriff AU1011
  • WirkungGrößere Augenein kindlicher Ausdruck, der an traurige Menschen erinnern kann1
  • Studie 2019Hund ≠ WolfDer Muskel ist bei Hunden durchgängig da, bei Wölfen nicht1
  • TierheimBevorzugt ausgewähltHunde mit kindlichen Ausdrücken wurden von Menschen bevorzugt2
  • SchuldblickReaktion auf dichkein sicherer Beweis für ein schlechtes Gewissen5

Was bedeutet Dackelblick?

Kurz gesagt

Beim Dackelblick schaut ein Hund von unten zu dir auf und hebt die inneren Augenbrauen. Das wirkt kindlich und bittend. Dass dieser Ausdruck auf uns wirkt, zeigen Studien. Ob der Hund ihn bewusst als Bitte einsetzt, ist nicht geklärt.

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache beschreibt den Dackelblick als Blick, der treuherzig wirkt oder wirken soll. Es vermerkt: oft spöttisch.6 Du kannst ihn also auch bei Menschen beobachten, etwa wenn jemand mit großen Augen um einen Gefallen bittet.

Im Englischen heißt der Blick „puppy dog eyes“.1 Im Alltag meint man damit fast immer dasselbe: einen Blick, dem man schwer widersteht.

Wie entsteht der Dackelblick?

Auf dem Papier ist der Dackelblick ein Muskel. Er heißt Musculus levator anguli oculi medialis, kurz LAOM. Er zieht den inneren Teil der Augenbraue nach oben. In der Verhaltensforschung heißt diese Bewegung AU101.

2019 verglich ein Team um Juliane Kaminski die Gesichtsmuskulatur von Hunden und Wölfen. Bei Hunden war der Muskel durchgängig vorhanden. Bei Wölfen fanden sich an dieser Stelle nur spärliche Fasern.1 Auch im Verhalten gab es einen Unterschied: Hunde hoben die innere Augenbraue häufiger und stärker. Die intensivsten Bewegungen zeigten nur Hunde.1

Das Team vermutet, dass Menschen diese Entwicklung über Generationen mit gefördert haben. Hunde mit diesem Ausdruck kamen bei uns offenbar besser an.1 Der Hund hat sich den Blick also nicht selbst „antrainiert“. Er ist ein Ergebnis von Auswahl über sehr lange Zeit.

So wirkt der Dackelblick Vier Schritte: 1. Ein Muskel hebt die innere Augenbraue. 2. Die Augen wirken größer und kindlicher. 3. Das spricht Menschen offenbar an; Forschende vermuten, es erinnert an traurige Menschen. 4. Hunde mit solchen Ausdrücken wurden im Tierheim bevorzugt vermittelt. Quellen: Kaminski et al. 2019 (PNAS) und Waller et al. 2013 (PLOS ONE). So wirkt der Dackelblick 1 · Der MuskelEin Muskel hebt die innereAugenbraue an. Bei Hunden ist erdurchgängig da, bei Wölfen nicht. 2 · Der BlickDie Augen wirken größer undweicher. Der Ausdruck ist kindlich. 3 · Die WirkungDas spricht uns Menschen offenbaran. Forschende vermuten: Es erinnertan traurige Menschen. 4 · Die FolgeIm Tierheim wurden Hunde mitsolchen Ausdrücken bevorzugtausgewählt. Quellen: Kaminski et al. 2019 · Waller et al. 2013

Warum wirkt der Dackelblick so stark?

Der Blick lässt die Augen größer wirken und erinnert an kindliche Gesichtszüge. Die Forschenden vermuten außerdem, dass er an den Ausdruck traurig schauender Menschen erinnert.1

Einen Hinweis darauf, dass das bei uns ankommt, liefert eine Studie aus dem Tierheim. Hunde, die ihr kindliches Aussehen mit ihrem Gesichtsausdruck betonten, wurden von Menschen bevorzugt ausgewählt. Als Maß diente, wie schnell die Hunde vermittelt wurden.2

Beim Blickkontakt passiert auch im Körper etwas. 2015 ließ ein Team um Miho Nagasawa 30 Halter 30 Minuten mit ihren Hunden verbringen. Danach maßen sie das Bindungshormon Oxytocin im Urin. Je länger die Hunde ihre Halter ansahen, desto stärker stieg es bei den Menschen. Auch bei den Hunden stieg es, wenn die Halter sie mehr ansahen, berührten und ansprachen. Elf von Menschen aufgezogene Wölfe suchten kaum Blickkontakt und zeigten keinen Anstieg.4

Wichtig dabei: Die Studie betrachtet Blickkontakt über 30 Minuten. Ob schon ein kurzer Dackelblick am Frühstückstisch dasselbe auslöst, hat sie nicht untersucht.

Pablo, Rosi und Finn zum Anziehen

Unsere drei Dackel gibt es auch als Shirt. Gedruckt wird erst, wenn du bestellst.

Setzt dein Dackel den Blick bewusst ein?

Dazu gibt es eine passende Studie. Kaminski und ihr Team ließen eine Person den Hunden zugewandt oder abgewandt stehen, mal mit und mal ohne Futter. Die Hunde zeigten deutlich mehr Gesichtsbewegungen, wenn die Person aufmerksam war. Futter allein änderte nichts.3

Dein Dackel schaut also nicht nur, weil er Hunger hat. Er richtet seinen Gesichtsausdruck offenbar auch danach, ob du ihn ansiehst. Die Autoren halten es für möglich, dass solche Ausdrücke aktive Kommunikationsversuche sind. Bewiesen ist ein bewusster Plan damit nicht.3

Mythen-Check
  • „Hunde haben sich den Blick antrainiert.“ Nein. Der Muskel ist ein Ergebnis von Auswahl über viele Generationen.1
  • „Der Dackel plant den Blick wie einen Trick.“ Das ist nicht belegt. Belegt ist, dass Hunde ihre Ausdrücke an unsere Aufmerksamkeit anpassen.3
  • „Nur Dackel können das.“ Nein. Der Muskel gehört bei Hunden zur Grundausstattung.1 Eine Studie, die Dackel mit anderen Rassen vergleicht, haben wir nicht gefunden.
  • „Der schuldbewusste Blick heißt: schlechtes Gewissen.“ Wohl nicht, mehr dazu direkt unten.5

Zeigt der schuldbewusste Blick ein schlechtes Gewissen?

Viele kennen die Szene: Der Dackel hat etwas angestellt und schaut dich schuldbewusst an. Alexandra Horowitz hat das 2009 mit 14 Hunden getestet. Die Halter verboten den Hunden ein Leckerli und verließen den Raum. Der Hund fraß es oder nicht. Danach schimpfte der Halter oder begrüßte seinen Hund freundlich.5

Das Ergebnis: Der „Schuldblick“ trat häufiger auf, wenn der Halter schimpfte. Ob der Hund das Leckerli gefressen hatte, spielte keine Rolle. Bei Hunden, die brav gewesen waren und trotzdem geschimpft wurden, war der Effekt sogar stärker.5 Der Blick ist demnach eher eine Reaktion auf deine Signale als ein Zeichen von Reue.

Warum heißt es ausgerechnet Dackelblick?

Seit wann es das Wort gibt und wer es geprägt hat, ist nicht belegt. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache nennt nur die Zusammensetzung aus „Dackel“ und „Blick“. Eine Herkunft gibt es dort nicht.6

Naheliegend ist die Vermutung, dass die Hängeohren und der ausdrucksstarke Kopf des Dackels dazu beigetragen haben. Das ist aber nur eine Vermutung. Die Studien zeigen den Blick bei Hunden allgemein.1

Was tun, wenn dein Dackel dich so ansieht?

Die folgenden Tipps sind Praxishinweise und keine Studienergebnisse.

  • Schau, was er will. Muss er raus? Will er Nähe? Hofft er auf dein Frühstück? Die Situation verrät meist mehr als die Augen allein. Mehr zur Körpersprache findest du in Was mögen Dackel nicht?
  • Antworten heißt nicht nachgeben. Du kannst ihn ansprechen, kurz Kontakt aufnehmen und trotzdem bei deinem Nein bleiben.
  • Am Tisch konsequent bleiben. Wenn es Leckerlis gibt, zieh sie von der Tagesration ab. Tipps zum Training findest du im Ratgeber Dackel Erziehung.
  • Auf Veränderungen achten. Sucht dein Dackel ungewöhnlich oft Blickkontakt oder verhält er sich anders als gewohnt, nimm das ernst. Manchmal fehlt ihm Beschäftigung, wie sie der Ratgeber Dackel beschäftigen beschreibt. Bei Schmerzen oder Unsicherheit gehört er zum Tierarzt.

Mehr über Größe, Fellarten und Wesen liest du im Rasseporträt zum Dackel. Und wer den Blick lieber mit Humor nimmt, findet bei den Dackel Witzen und den Dackel Sprüchen genug Stoff.

Für alle, die dem Blick nicht widerstehen

Wer einen Dackel hat, kennt das Gefühl. Hier findest du Tassen und einen Kalender für Dackelfans, gedruckt erst, wenn du bestellst.

Häufige Fragen zum Dackelblick

Was bedeutet Dackelblick?

Der Dackelblick ist ein treuherziger, bittender Blick. Beim Hund hebt sich dabei die innere Augenbraue und die Augen wirken größer. Bei Menschen meint das Wort einen Blick, der unschuldig wirken soll. Oft ist das spöttisch gemeint. Mehr dazu →

Wie entsteht der Dackelblick?

Ein Muskel hebt die innere Augenbraue an. Er heißt Musculus levator anguli oculi medialis. Bei Hunden ist er durchgängig vorhanden. Bei Wölfen fanden Forschende dort nur spärliche Fasern. Mehr dazu →

Setzen Hunde den Dackelblick bewusst ein?

Das ist nicht belegt. Studien zeigen, dass Hunde mehr Gesichtsausdrücke zeigen, wenn ein Mensch sie ansieht. Futter allein änderte nichts daran. Ob dahinter ein bewusster Plan steckt, haben sie nicht geklärt. Mehr dazu →

Haben nur Dackel diesen Blick?

Nein. Der Muskel gehört bei Hunden zur Grundausstattung. Eine Studie, die Dackel mit anderen Rassen vergleicht, haben wir nicht gefunden. Mehr dazu →

Zeigt der schuldbewusste Blick ein schlechtes Gewissen?

Wohl nicht. In einem Versuch mit 14 Hunden trat der „Schuldblick“ vor allem auf, wenn der Halter schimpfte. Ob der Hund etwas angestellt hatte, spielte keine Rolle. Mehr dazu →

Warum heißt es Dackelblick?

Das lässt sich nicht belegen. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache nennt nur die Wortzerlegung aus „Dackel“ und „Blick“. Eine Herkunft gibt es dort nicht. Mehr dazu →

Wie heißt Dackelblick auf Englisch?

Im Englischen spricht man von „puppy dog eyes“. So nennen es auch die Forschenden in der Studie von 2019. Mehr dazu →

Quellen

  1. Kaminski et al. (2019), PNAS 116(29): Evolution of facial muscle anatomy in dogs (englisch)– Muskel LAOM bei Hunden durchgängig vorhanden, bei Wölfen nur spärliche Fasern; Hunde heben die innere Augenbraue häufiger und stärker; Deutung als Ergebnis menschlicher Auswahl
  2. Waller et al. (2013), PLOS ONE 8(12): Paedomorphic facial expressions give dogs a selective advantage (englisch)– Tierheimhunde mit Ausdrücken, die ihr kindliches Aussehen betonen, wurden bevorzugt ausgewählt (Maß: Geschwindigkeit der Vermittlung)
  3. Kaminski et al. (2017), Scientific Reports 7: Human attention affects facial expressions in domestic dogs (englisch)– mehr Gesichtsbewegungen bei aufmerksamem Menschen, kein Effekt durch Futter
  4. National Geographic über Nagasawa et al. (2015), Science (englisch)– 30 Halter, 30 Minuten, Oxytocin im Urin; Blickkontakt und Oxytocin-Anstieg bei Mensch und Hund; elf handaufgezogene Wölfe ohne Anstieg
  5. Horowitz (2009), Behavioural Processes: Disambiguating the „guilty look“ (englisch)– 14 Hunde; „Schuldblick“ tritt bei Schimpfen häufiger auf, unabhängig vom Verhalten des Hundes
  6. DWDS: Dackelblick– Bedeutung „oft spöttisch einen treuherzigen Eindruck machender oder machen wollender Blick“, Wortzerlegung, keine Herkunftsangabe

Die Praxistipps stammen nicht aus den genannten Studien. Die Studien untersuchen kleine Gruppen. Sie zeigen Zusammenhänge und beweisen keine Absichten.

Zurück zum Blog