Dackel Geschichte: Woher kommt der Dackel wirklich?
Timo EichmannDer Dackel kommt aus Deutschland. Er wurde aus Bracken gezüchtet und sollte unter der Erde Fuchs und Dachs jagen12. Solche Hunde sind seit dem Mittelalter bekannt. Eine Rasse mit festem Standard ist der Dackel aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts3. Dazwischen liegt eine lange Geschichte. Vieles darin ist unklar und im Netz wird einiges falsch erzählt. Hier steht, was sich belegen lässt. Die Quellen findest du am Ende des Artikels.

- HerkunftDeutschlandUrsprungsland laut FCI-Standard1
- VorfahrenBrackengezielt für die Jagd unter der Erde weitergezüchtet1
- Erste Beschreibungum 1700niedriger, langgestreckter Hund mit leicht gebogenen Vorderläufen3
- Rassemerkmaleseit 1879erste Liste erwünschter Merkmale3
- Zuchtvereinseit 1888Deutscher Teckelklub, heute rund 20.000 Mitglieder8
- Ursprünglicher ZweckBaujagdJagd auf Fuchs und Dachs im Bau12
Woher kommt der Dackel?
Aus Deutschland. Der FCI führt Deutschland als Ursprungsland. Die Vorfahren des Dackels waren Bracken. Aus ihnen wählte man gezielt Hunde aus, die sich für die Jagd unter der Erde eigneten1.
Im geschichtlichen Abriss des FCI-Standards steht, der Dachshund sei „seit dem Mittelalter bekannt“. Aus den Bracken entwickelte sich ein Hund, der dort als eine der vielseitigsten Jagdgebrauchshunderassen gilt. Er arbeitet unter der Erde und auch über der Erde, etwa bei der Schweißarbeit1. Wie die frühen Hunde genau aussahen, wissen wir nicht. Namen wie Dachshund oder Lochhund beschrieben wahrscheinlich eher den Einsatz als eine feste Rasse4.
Wie alt ist der Dackel wirklich?
Das hängt davon ab, wen du fragst. Der American Kennel Club nennt das 15. Jahrhundert. Der Dachshund Club of America spricht vom 18. und 19. Jahrhundert4. Die frühen Schriftquellen zeigen, warum:
- Um 1600: Der Pfarrer Johannes Coler beschreibt in seiner „Oeconomia ruralis et domestica“ kleine Hunde bei der Dachsjagd5. Das Werk erschien in mehreren Teilen ab etwa 15936.
- 1682: Freiherr von Hohberg nennt in der „Georgica Curiosa“ einen „Dachshund“5.
- Um 1700: Die erste Beschreibung eines dackelähnlichen Hundes nennt einen niedrigen, langgestreckten Körper mit leicht gebogenen Vorderläufen und drahtigem Haar in verschiedenen Farben3.
- 1719: Das Jagdbuch „Der vollkommene teutsche Jäger“ von Flemming zeigt zwei ähnliche Hunde3.
Die ersten Erwähnungen, die sich klar auf dackelähnliche Hunde beziehen, stammen aus Büchern des frühen 18. Jahrhunderts. Damals hießen sie „Dachs-Kriecher“ oder „Dachs-Krieger“4. Die älteren Stellen sind weniger eindeutig. Das Wort „Dackel“ ist deutlich jünger als die Hunde. Es ist erst seit Ende des 19. Jahrhunderts belegt14. Mehr zu den Namen steht im Artikel Dackel, Teckel oder Dachshund.
Wofür wurde der Dackel gezüchtet?
Für die Baujagd. Der Dackel sollte Fuchs und Dachs jagen, im Bau und außerhalb davon, etwa beim Aufspüren und Aufstöbern2. Der FCI-Standard beschreibt ihn als „Jagdhund über und unter der Erde“. Die Rasse gehört zur FCI-Gruppe 4 und gilt als Rasse „mit Arbeitsprüfung“1.
Dafür bekam er den langen Körper und die kurzen Beine. Laut einer Studie von 2009 geht die Kurzbeinigkeit auf eine zusätzliche Kopie des Gens FGF4 zurück. Dieselbe Veränderung tragen auch Corgis und Basset Hounds und mindestens 16 weitere Rassen10. Sie entstand nach Angaben von National Geographic sehr früh in der Geschichte der Hunde, noch bevor sich die heutigen Rassen aufspalteten11.
In der britischen DachsLife-Studie waren 15,7 % der Dackel von einem Bandscheibenvorfall betroffen1213. Woran du die Dackellähme erkennst, liest du im Ratgeber Dackellähme. Was das Tierschutzgesetz für die Rasse bedeuten kann, steht im Artikel Wird der Dackel verboten?
Dackel Geschichte im Überblick
Die wichtigsten Stationen auf einen Blick. Die Einzelheiten stehen in den folgenden Abschnitten.
Die Jahreszahlen stammen aus den Quellen unten. Wo sich Quellen widersprechen, steht das im Text.
Wie sah der Dackel früher aus?
Anders als heute. Die ersten Porträts von 1836 zeigen Kurzhaar-, Langhaar- und Drahthaar-Dackel. Es gab Hunde mit geraden und mit krummen Beinen. Die Farben reichten von Gelb über Braun und Schwarz bis zu getigert (Dapple) und gestromt (Brindle)3. Der heutige Dackel stammt von den krummbeinigen Hunden ab4.
Die Züchter kreuzten die Fellvarianten damals regelmäßig. So passten Fell und Jagdeignung zum Gelände3. Das änderte sich 1888. Der neu gegründete Teckelklub führte ein Zuchtbuch ein und untersagte die Verpaarung verschiedener Haarvarietäten3. Ab 1895 setzte sich die Schauzucht durch. Die Hunde bekamen einen längeren Körper und kürzere Beine. Jagd- und Schautyp trennten sich in verschiedene Klubs und fanden erst 1909 wieder zusammen3.
| Merkmal | Früher | Heute |
|---|---|---|
| Beine | gerade und krumm, beides auf Porträts von 18363 | kurz, hervorgegangen aus den krummbeinigen Hunden4 |
| Körper | niedrig und langgestreckt, so um 1700 beschrieben3 | nach der Schauzucht ab 1895 noch länger mit kürzeren Beinen3 |
| Fell | Varietäten wurden regelmäßig gekreuzt3 | drei Haararten, getrennt gezüchtet13 |
| Größen | Zwerge in Deutschland erst ab 1902 registriert3 | drei Größen1 |
| Regeln | Merkmalsliste erst ab 18793 | FCI-Standard und Zuchtbuch des Teckelklubs18 |
Wie die einzelnen Fellarten entstanden sind und wie sie sich heute unterscheiden, erklären wir in den Porträts zum Kurzhaardackel, Rauhaardackel und Langhaardackel. Die kleinen Größen findest du bei Zwergdackel und Kaninchendackel.
Für jede Fellart gibt es bei uns ein eigenes Motiv. Gedruckt wird erst, wenn du bestellst.
Seit wann gibt es den Dackel als Rasse?
Der Weg zur Rasse begann 1879. Damals entstand eine Liste erwünschter Merkmale, die bis heute die Grundlage des Standards bildet3. Im selben Jahr wurde das Deutsche Hunde-Stammbuch eingeführt7. Im Jahr 1880 waren darin 54 von 334 Hunden Teckel5.
Im Juni 1888 wurde der Deutsche Teckelklub gegründet8. Er führte ein eigenes Zuchtbuch und feste Registrierungsregeln ein3. Heute hat der Klub rund 300 Gruppen mit etwa 20.000 Mitgliedern. Sein Zuchtbuch wird seit mehr als 125 Jahren geführt8. Der FCI nennt ihn den ältesten Zuchtverein der Rasse1.
Heute gibt es den Dackel in neun Varietäten: drei Größen und drei Haararten1. Alles zu Größen und Fellarten steht im Rasseporträt Dackel.
Wie kam der Dackel nach England und in die USA?
England: Königliche Halter gehörten zu den ersten Besitzern3. Queen Victoria hielt zum Beispiel den glatthaarigen Dackel Dacko. Er wurde 1859 in den Zwingern von Windsor geboren und starb 1871. Der Maler Friedrich Wilhelm Keyl hat ihn porträtiert9. 1870 trat der Dackel zum ersten Mal auf einer britischen Hundeausstellung auf. 1881 gründete sich der britische Dachshund Club3.
USA: Ab den 1880er-Jahren kamen deutsche und britische Dackel ins Land3. 1885 erkannte der American Kennel Club die Rasse an45. 1895 wurde der Dachshund Club of America gegründet3. Im Ersten Weltkrieg litt der Ruf der Rasse. In den USA hieß sie zeitweise „Badger Dog“. Erst 1923 wurde der Name wieder in „Dachshund“ geändert3.
Vom Jagdhund zum Familienhund
Auf dem Papier ist der Dackel bis heute ein Jagdhund. Der FCI-Standard führt ihn als Jagdhund über und unter der Erde1. Im Alltag kennen ihn viele aber als Begleiter. Das berühmteste Beispiel ist Waldi, der bunt geringelte Stoffdackel und Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München15.
Wie beliebt der Dackel heute ist, liest du in Dackel im Trend. Mehr Dackel-Kultur findest du in Alles für den Dackel, alles für den Club und bei den Dackel Filmen. Was sein Erbe für den Alltag bedeutet, steht im Ratgeber Dackel als Anfängerhund.
Mythen-Check: Was im Netz steht und sich nicht belegen lässt
- „Die Vorfahren des Dackels sind über 2.000 Jahre alt.“ Dafür haben wir keine belastbare Quelle gefunden. Der FCI-Standard spricht vom Mittelalter1. Namen wie Dachshund und Lochhund bezeichneten wohl eher einen Einsatz als eine Rasse4.
- „Queen Victoria lernte den Dackel über ihren Enkel Wilhelm II. kennen.“ Auch dafür haben wir keinen Beleg gefunden. Belegt ist, dass sie Dackel hielt. Ihr Dacko wurde 1859 geboren9.
- „Das erste Hundestammbuch erschien 1840 mit 54 Dackeln.“ Ein Stammbuch von 1840 haben wir nicht belegt gefunden. Belegt ist das Deutsche Hunde-Stammbuch ab 18797. Im Jahr 1880 waren darin 54 von 334 Hunden Teckel5.
Unsere Motive werden erst gedruckt, wenn du bestellst.
Häufige Fragen zur Dackel-Geschichte
Woher kommt der Dackel ursprünglich?
Der Dackel stammt aus Deutschland. Er wurde aus Bracken gezüchtet und sollte unter der Erde Fuchs und Dachs jagen. Solche Hunde sind seit dem Mittelalter bekannt. Mehr dazu →
Wofür wurde der Dackel gezüchtet?
Für die Baujagd auf Fuchs und Dachs. Der lange Körper und die kurzen Beine passen in enge Gänge. Heute gilt der Dackel laut FCI als Jagdhund über und unter der Erde. Mehr dazu →
Seit wann gibt es den Dackel?
Die erste Beschreibung eines dackelähnlichen Hundes stammt von etwa 1700. Als Rasse mit Merkmalsliste gibt es ihn seit 1879. Der Deutsche Teckelklub wurde im Juni 1888 gegründet. Mehr dazu →
Wie sah der Dackel früher aus?
Auf Porträts von 1836 gibt es Dackel mit geraden und mit krummen Beinen. Fell und Farben waren vielfältig und die Varietäten wurden regelmäßig gekreuzt. Ab 1895 setzte sich der längere Körper mit kürzeren Beinen durch. Mehr dazu →
Von welchem Hund stammt der Dackel ab?
Der FCI-Standard nennt Bracken als Ausgangspunkt. Aus ihnen wurden fortlaufend Hunde gezüchtet, die sich für die Jagd unter der Erde eigneten. Mehr dazu →
Ist der Dackel ein Jagdhund?
Ja. Der FCI-Standard führt ihn als Jagdhund über und unter der Erde. Viele Dackel leben heute trotzdem als Begleiter. Mehr dazu →
Was bedeutet der Name Dackel?
Dackel ist die oberdeutsche Kurz- und Koseform von Dachshund, also Dachs-Hund. Als Name ist er erst seit Ende des 19. Jahrhunderts belegt. Alles dazu steht im Artikel Dackel, Teckel oder Dachshund.
Ist der Dackel eine Qualzucht?
Das wird diskutiert. Die kurzen Beine gehen auf eine genetische Veränderung zurück. In einer britischen Studie waren 15,7 % der Dackel von einem Bandscheibenvorfall betroffen. Mehr zur rechtlichen Lage steht im Artikel Wird der Dackel verboten?
Quellen
- FCI-Standard Nr. 148: Dachshund– Ursprungsland Deutschland, „seit dem Mittelalter bekannt“, Zucht aus Bracken, Verwendung als Jagdhund über und unter der Erde, Gruppe 4 mit Arbeitsprüfung, ältester Zuchtverein DTK 1888, neun Varietäten
- Spektrum Lexikon der Biologie: Dachshund– Gebrauchshund für die Jagd auf Fuchs und Dachs im Bau und außerhalb, Aufspüren und Aufstöbern
- Dachshund Club of America: One of a Kind (englisch)– Zeitleiste: Beschreibung um 1700, Jagdbuch 1719, Porträts 1836, Merkmalsliste 1879, Teckelklub 1888, Schauzucht ab 1895, Zwerge ab 1902, England (1870, 1881), USA (1880er, 1895, „Badger Dog“ bis 1923)
- Wikipedia (englisch): Dachshund– erste Erwähnungen im frühen 18. Jahrhundert („Dachs-Kriecher“, „Dachs-Krieger“), ältere Namen eher Einsatzbezeichnungen, Abstammung von den krummbeinigen Hunden, AKC-Anerkennung 1885, uneinheitliche Altersangaben (AKC und DCA)
- chien.com: L'histoire du Teckel (französisch)– Coler, Hohberg 1682, Hunde-Stammbuch Ende der 1870er mit 54 von 334 Teckeln im Jahr 1880, AKC 1885. Die Angaben sind dort nicht mit Einzelnachweisen belegt und wurden von uns nicht am Original geprüft
- Deutsche Biographie: Johann Coler– Lebensdaten und Werk „Oeconomia ruralis et domestica“, Erscheinungszeitraum ab 1593 laut NDB (ADB nennt 1591 bis 1605)
- Verein Hirschmann: Vereinsgeschichte (Wild und Hund 14/2019)– Einführung des Deutschen Hunde-Stammbuchs 1879
- Deutscher Teckelklub 1888 e.V.: Unser Klub– Gründung im Juni 1888, rund 20.000 Mitglieder, rund 300 Gruppen, Zuchtbuch seit mehr als 125 Jahren
- Royal Collection Trust: Dacko (1859–71) (englisch)– glatthaariger Dackel von Queen Victoria, geboren 1859 in Windsor, gemalt von Friedrich Wilhelm Keyl
- NHGRI: Researchers Discover Evolutionary Event Underlying the Origin of Dachshunds (englisch)– Studie von Parker et al. 2009 in Science: zusätzliche FGF4-Kopie bei Dackeln, Corgis, Basset Hounds und mindestens 16 weiteren Rassen
- National Geographic: The copied gene that gave dachshunds and corgis their short legs (englisch)– Entstehung der Kurzbeinigkeit vor der Aufspaltung der heutigen Rassen
- DachsLife 2015: an investigation of lifestyle associations with the risk of intervertebral disc disease in Dachshunds (englisch)– britische Studie zu Bandscheibenvorfällen beim Dackel
- Dachshund Health UK: Prevalence data (englisch)– Anteil Bandscheibenvorfälle 15,7 % bei allen Varietäten laut DachsLife 2015
- Wiktionary: Dackel– Herkunft des Wortes nach Duden-Herkunftswörterbuch
- München Tourismus: Auf den Spuren der Olympischen Sommerspiele 1972– Waldi als Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1972
Alle Angaben stammen aus den genannten Quellen. Wo wir etwas nicht belegen konnten, steht es im Mythen-Check.





